Bitcoins

Fluch und Segen zugleich

Einerseits gefeiert, andrerseits verhasst. Was dabei grundsätzlich vergessen wird sind die Fakten sowie die ursprüngliche Motivation des immer noch unbekannten Entwicklers Satoshi Nakamoto. Aus diesem Grunde soll dieser Artikel einen kleinen Einblick in die Geschichte des Geldes, Kryptowährungen sowie letztlich Bitcoins geben.

Eine kurze Einführung zum Thema Geld

Ursprünglich tauschte man Güter direkt aus, später nutze man dafür unter anderem auch Zwischentauschmittel wie Getreide, Muscheln, Silber oder auch Gold welche man wiederum gegen andere Güter tauschen konnte. Diese Tauschmittel bezeichnete man als Warengeld. In Europa nutzte man anschließend, im Mittelalter, vorwiegend Gewichtsgeld, d.h. Edelmetalle die nach Gewicht (und nicht nach Anzahl) getauscht wurden. Hierbei wurde vor allem Silber sowie bei teureren Gütern auch Gold eingesetzt.

All diese Formen des Geldes besaßen einen inhärenten Wert der unter anderem durch die Verfügbarkeit der Ressource bestimmt war und man konnte dieses Geld zum Beispiel durch Einschmelzen auch anderweitig, etwa als Schmuck, verwenden.

Später, ungefähr zu Beginn des Ersten Weltkrieges, ging man dazu über sogenanntes Fiatgeld einzusetzen, d.h. Geld welches keinen inhärenten Wert besitzt. Allerdings muss diese Form des Geldes reguliert werden um das Preisniveau stabil zu halten und auch um eine zu hohe Inflation oder Deflation zu vermeiden. Zudem kann Papiergeld relativ leicht gefälscht werden, ein Problem welches bis heute besteht.

Die aktuelle Situation sieht so aus, dass die Mehrheit des Geldes nur noch in elektronischer Form existiert und somit nicht einmal materiell sein muss, nur ein geringer Teil existiert in Form von Banknoten oder auch Münzen. Das Problem hierbei ist, dass das ganze System nicht nachvollziehbar und somit prinzipiell nicht fälschungssicher ist. Zudem erfüllt Geld nicht mehr nur die Funktion eines Zwischentauschmittels sondern wird mittlerweile angehäuft wie ein Schatz, welcher aber eigentlich keinen Wert besitzt. Ein nettes Zitat dazu:

Aufgrund der Defizite herkömmlicher Währungen entwickelten sich so langsam die ersten Kryptowährungen.

Kryptowährungen

Das besondere an Kryptowährungen wie Bitcoins ist, dass man eine Eigenschaft nutzt die frühe Warengelder bereits hatten und bei aktuellen Währungen verloren gegangen ist: Die Knappheit der Ressource.

Möglich wird dies durch kryptographische Verfahren welche sich auf mathematische Probleme stützen die sich nach aktueller Ansicht nicht einfach lösen lassen und somit Zeit und Rechenleistung erfordern. Damit man dieses Problem nicht übergehen kann passt sich der Schwierigkeitsgrad der Berechnungen dynamisch an, d.h. mehr Rechenleistung bedeutet nicht schnellere Transaktionen und auch nicht mehr Bitcoins.

Zudem ist der Weg von der Erzeugung eines Bitcoins über die Verwendung komplett nachvollziehbar, d.h. jeder jemals gehandelte Bitcoin hat einen genau definierten Ursprung und eine genau definierte Transaktionshistorie welche in der sogenannten Blockchain gespeichert wird. Die Größe der Blockchain bei Bitcoins ist dabei aktuell gerade einmal 19GB groß (was sehr wenig ist, wenn man bedenkt, dass darin alles was jemals mit einem Bitcoin geschehen ist gespeichert ist).

Zudem werden Kryptowährungen nicht von zentraler Stelle ausgegeben sondern müssen berechnet werden, der Fachbegriff dafür lautet mining (in Anlehung an das minen von Erzen). Die Berechnung kann dabei aufgrund der Skalierbarkeit des Systems sowohl ein kleiner Rechner als auch ein Supercomputer übernehmen, zumal aufgrund des dezentralen Ansatzes jeder dabei helfen kann Bitcoins zu minen. Das ist allerdings, sofern man lediglich auf den Gewinn aus ist, mittlerweile ohne spezielle Hardware aufgrund der Größe und Rechenleistung des Netzwerkes unrenatabel.

Probleme und Mythen

Gleich vorweg: Kryptowährungen erzeugen an sich keine Probleme, lediglich der falsche Umgang sowie das fehlende technischen Verständnis der Nutzer sorgen dafür. Kryptowährungen erfodern ein Umdenken und das ist leider noch nicht bei allen Nutzern angekommen.

Börsen != Banken

Immer wieder gibt es Probleme mit unsicheren Börsen wodurch sehr viele Besitzer von Coins - egal welcher Kryptowährung - ihr Guthaben verlieren. Das Problem hierbei ist, dass die Nutzer das klassische Modell der Banken auf diese Börsen übertragen. Bei Kryptowährungen sollte man seine Wallet (engl. Geldbörse) immer auf den eigenen Geräten speichern und keinesfalls bei den Börsen liegen lassen! Die Börsen dienen lediglich als Handelsplatz um zum Beispiel Euro in Bitcoins zu tauschen (beziehungsweise, da Bitcoins noch nicht als offizielle Währung anerkannt sind, um Bitcoins zu kaufen und verkaufen). Sobald der Einkauf von Bitcoins abgeschlossen ist sollte man diese schnellstmöglich auf sein persönliches Wallet übertragen. Dann kann im Falle einer ausgeraubten Börse auch nichts passieren.

21 Millionen Bitcoins sind viel zu wenig?

Die Zahl 21 Millionen klingt verglichen mit den Milliarden die wir sonst an Fiatgeld umherschieben nach wenig, allerdings ist das wie bei jeder Währung ohne inhärenten Wert nur eine abstrakte Zahl. Man vergisst, dass Bitcoins fast beliebig oft teilbar sind. Es gibt zum Beispiel bereits die Einheit mBTC welches den tausendsten Teil eines BTC darstellt sowie µBTC welches den millionsten Teil eines BTC darstellt (BTC ist die offizell verwendete Abkürzung für Bitcoin, ähnlich EUR für Euro oder USD für US-Dollar). Bei einem Preis von aktuell 430€ für 1 BTC entspricht 1 mBTC 43 Cent.

Die aktuell kleinst mögliche Unterteilung ist 1/100.000.000 BTC und wurde zu Ehren des Entwicklers Satoshi getauft. Dabei ist 1 Satoshi nach aktuellem Stand gerade einmal 0,00043 Cent wert. D.h. erst wenn 1 BTC mehr als 1 Million Euro kosten würde, müsste man Bitcoins weiter unterteilen (was, via Software-Update, relativ einfach möglich wäre).

Bitcoin-Banken?

Bitcoin-Banken im herkömmlichen Sinne zur Verwahrung der Coins werden durch den dezentralen Ansatz und die Möglichkeit des Geld auf dem heimischen Rechner zu sichern (richtigerweise müsste man sagen, dass man lediglich den Zugang dazu sichert) nicht mehr gebraucht. Allerdings werden Banken weiterhin benötigt wenn man zum Beispiel einen Kredit aufnehmen will. Interessant wird die Frage, wie es mit Zinsen aussieht. Da die maximale Anzahl an Bitcoins festgelegt und nicht mehr veränderbar ist sind aus logischer Betrachtung zumindest Zinsenzinsen nicht praktikabel. Man kann sie zwar einfordern, könnte aber gleichzeitig nicht gewährleisten ob es überhaupt bereits genug Bitcoins gäbe geschweige denn jemals geben wird um diese zurückzuzahlen. Auch stellt sich die Frage, wie man Bitcoins verleiht, da Transaktionen nicht umkehrbar sind. Lösungsansätze dazu wird die Zukunft liefern.

Schneeballsystem

Kryptowährungen wird oft vorgeworfen, sie würden wie ein Schneeballsystem funktionieren. Das ist so nicht der Fall. Natürlich erhalten Früheinsteiger etwa eine höhere Rendite beim späteren Verkauf von Coins weil die Währung etwa gegenüber dem Euro gestiegen ist. Ob der Preis pro Coin überhaupt steigt ist allerdings nicht vorhersehbar, man kann also genausogut sein ganzes Geld durch Investition in Kryptowährungen verlieren.

Währungsstabilität

Die Währungsstabilität von Bitcoins ist im Moment leider noch nicht gegeben, Schwankungen von 100% stehen an der Tagesordnung. Das Problem hierbei ist die Verbreitung und Akzeptanz der Währung welches ein Henne-Ei-Problem darstellt: Gibt es wenig Nutzer ist die Währungsstabilität nicht gegeben. Und wenn diese nicht gegeben ist, ist es schwer, neue Nutzer zu finden.

Stützt man sich beim Kauf und Verkauf von Waren durch Bitcoins allerdings nicht auf den aktuellen Kurs sondern auf den Tages-, Wochen- oder Monatsdurchschnitt (bzw. den gleitenden Mittelwert) sieht es wiederum anders aus, dann ist die Währung fast schon stabil, auch wenn der Wert eines Bitcoins durch mehr Nutzer zwangsweise kontinuierlich steigt (Deflation).

Die Erzeugung (mining) verbraucht zu viel Energie

Diese Aussage mag aktuell, bezogen auf Bitcoins, zwar richtig sein, ist allerdings trotzdem falsch. Der Mining-Prozess, d.h. das Erzeugen von Coins, braucht zwangsweise Energie und mining ist nötig damit das Netzwerk funktioniert, da hierbei Transaktionen verifiziert (bestätigt) werden. Allerdings ist es nicht nötig dafür das weltweit größte dezentrale Netzwerk aufzubauen. Ein paar kleinere, unabhängige Rechner würden dafür bereits ausreichen da sich der Schwierigkeitsgrad des Netzwerks welcher die Geschwindigkeit von Transaktionen festlegt automatisch anpasst, sodass im Schnitt eine Transaktion nicht mehr als 10 Minuten dauert. Hier hat (wieder mal) die Gier zugeschlagen: Wer bessere Hardware hat kann schneller minen und wer schneller mined bekommt im Schnitt mehr Bitcoins als Erlös. Das wurde dann soweit getrieben, bis es lächerlich wurde. Mittlerweile braucht man spezielle Hardware um überhaupt aus dem Mining etwas zu erhalten, der Preis für die Hardware fängt dabei von wenigen tausend Euro an und geht problemlos in den Bereich einer Viertelmillion Euro für ein Mining-Rig im Serverschrank.

Anonymität, Pseudonyme und der Schwarzmarkt

Kritiker von Kryptowährungen behaupten gerne, dass man durch die Anonymität illegale Geschäfte geradezu provozieren würde. Gleichzeitig wird aber jede Transaktion in der Blockchain gespeichert und wie man in der Vergangenheit mehrmals bewiesen hat kann man sehr wohl die Drahtzieher hinter illegalen Geschäften ausfindig machen, zumal Drogengeschäfte vorwiegend immer noch mit normalem, anerkannten Währungen durchgeführt werden.

Zurück zum Thema: Man kann Bitcoins anonym nutzen, muss das aber nicht. Zu jeder Bitcoin-Transaktion gibt es sowohl die Adresse des Absenders als auch die des Empfängers, wobei man für jede Transaktion eine neue Empfangsadresse generieren lassen kann (was auch empfohlen wird). Bis dahin ist man halbwegs anonym oder zumindest nicht mehr als eine beliebige Adresse im Netzwerk welche keiner bestimmten Person zugeordnet werden kann, d.h. innerhalb des Netzwerkes kann man sich relativ anonym bewegen oder auch hinter einem Pseudonym verbergen.

In Zukunft sollen allerdings die Börsen stärker reguliert werden. Hier sei gesagt, dass die meisten Börsen sowieso bereits die (Bitcoin-) Adressen ihrer Nutzer kennen sowie auch deren richtigen Namen und ihre Kontonummer welche zwangsweise für Transaktionen gebracht wird, denn anders kann man schlecht normale Währungen in Bitcoins tauschen.

Letztlich wird viel Hysterie betrieben für ein Problem welches nicht existiert.

Die Lösung?

Ob Bitcoins die endgültige Lösung sind ist fraglich. Das Konzept ist ausgereift, die Umsetzung sehr gut, die Akzeptanz mittlerweile hoch. Was aktuell noch problematisch ist sind die Nutzer, Kryptowährungen erfordern zwangsweise ein Umdenken und sind eben nicht wie die etablierten Währungen zu handhaben. Und bis das jeder verstanden hat werden wohl noch einige Jahre vergehen.

Auch werden uns klassiche Währungssysteme aufgrund der Trägheit der Masse noch lange erhalten bleiben, d.h. die nächsten Jahre wird wird man lediglich eine Koexistenz feststellen können. Letztlich hängt es von den Angeboten sowie Nutzern ab ob sich Bitcoins langfristig etablieren oder nicht. Vielleicht sind aber auch gar nicht Bitcoins der Durchbruch sondern eine andere, auf den Erkenntnissen des Bitcoin-Netzwerkes aufbauende Kryptowährung.
Revision 2 | 2014-07-13 18:02:33
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