16 Monate 3D-Druck

Ein Fazit.

Seit über 16 Monaten besitze ich nun meinen 3D-Drucker. Der Weg war lang, hart, steinig und immer wenn ich gedacht habe „Jetzt gehts!“ wurde ich schneller enttäuscht als man „Verdammt!“ sagen kann.

Wieso? Was denn passiert?

Passiert ist einiges. Insgesamt habe ich den Drucker 2 mal aufgebaut, vermutlich hunderte von Konfigurationen durchprobiert, die Firmware aktualisiert, dutzende Filamente getestet und die Düse wegen Einsparmaßnahmen geradezu dazu gezwungen irgendwann zu verstopfen.

Und doch läuft das Ding jetzt. Erstaunlich gut sogar.

Nachdem alles einmal konfiguriert ist und die Ergebnisse so sind, wie man sich das vorstellt, muss man nur noch selten etwas anpassen und wenn, dann sind es Kleinigkeiten. Wobei längst nicht alles so gekommen ist, wie ich mir das ursprünglich vorgestellt hatte.

Der Aufbau am Anfang erschien noch recht einfach und die Freude nach dem ersten Druckvorgang war groß. Doch sowohl bei kleinen Objekten mit vielen Details als auch bei größeren Objekten mit einer Höhe über ~3cm hatte ich Probleme. Letzteres lag an den Z-Achsen, welche nicht genau parallel waren. Und Ersteres war zum Großteil einem zu großem Spiel in der X-Achse geschuldet. Die Y-Achse hingegen lief immer problemlos. Auch sind die Rädchen für die Riemen aus Plastik nicht optimal, hier sollte man eher welche aus Aluminium (oder Stahl) einsetzen. Vor allem die Passgenauigkeit ließ hier zu wünschen übrig.

Vom ursprünglichen Gedanken der RepRaps, der Selbst-Replikation, ist bei meinem Modell auch nicht viel übrig. Die sogenannten „Vitamins“, also alle Teile welche nicht aus Plastik bestehen und etwa 4/5 des Kaufpreises ausmachen, kann der Drucker nicht selbst herstellen. Und SMD-Bauteile löten ist auch nicht unbedingt einfach. Wer einen Reflow-Ofen hat oder geschickt mit dem Lötkolben ist kann das gerne probieren.

Die Software ist auch (noch) nicht ausgereift. Denn obwohl die Hardware meines Modells einiges kann, wird softwareseitig doch nur das Mindeste unterstützt. So kann die aktuelle Software wohl immer noch nicht mit dem EMF-Feedback der Schrittmotoren umgehen, was praktisch wäre, um Schrittverluste der einzelnen Achsen zu erkennen (etwa, wenn das HotEnd irgendwo angefahren ist). Die automatische Erkennung der Nullposition der Z-Achse relativ zum Druckbett hingegen macht Fortschritte, zwar nicht explizit für mein Modell, allerdings wurde in diese Richtung bereits einiges entwickelt. Dadurch ist es möglich, dass das HotEnd automatisch das Z-Offset erkennt.

Zum Filament kann ich nur sagen: Lieber etwas heißer!
Anfangs wollte ich mit den minimal möglichen Temperaturen drucken, doch im Laufe der Zeit wurde dann klar, dass die Druckergebnisse signifikant besser werden, wenn sich die Temperatur des HotEnds etwa 195°C für PLA annähert. Klar, man kann auch bei 160°C das Filament durch die Düse pressen, allerdings leidet darunter die Stabilität des gedruckten Objekts. Und das Heizbett wird bei mir aktuell auf 60°C vorgewärmt, wodurch das Filament leichter am Druckbett haftet. Alternativ kann man damit auch seine Kaffeetasse warm halten ;)

Der Energieverbrauch im Betrieb liegt weit über dem, was mein aktueller Rechner braucht. Gemessen wurden 170W, was doch einiges an Leistung ist. Dabei braucht vor allem das Heizbett aufgrund der großen Fläche viel Energie sowie das HotEnd, welches kontinuierlich Filament erhitzen sollte. Die Leistung der NEMA14 Schrittmotoren darf auch nicht unterschätzt werden. Die Steuerungselektronik hingegen braucht nicht so viel, hier sollten insgesamt ein paar Watt reichen.

Wie geht es weiter?

Nachdem ich immer wieder gefragt werde wie es weitergehen soll habe ich mich umgesehen und vor allem das Modell „GUS Simpson“ gefällt mir. Wobei auch der „Rostock Mini Pro“ interessant wäre zu bauen. Aktuell habe ich allerdings keinen Bedarf mehr für einen 3D-Drucker, auch wenn das Projekt insgesamt immer noch sehr interessant ist. Und obwohl die ersten Prototypen des „GUS Simpson“ erstaunlich gut laufen, so sind nach längerer Recherche noch längst nicht alle Mängel beseitigt. Sollte es in Zukunft allerdings zu Verbesserungen des Druckers kommen oder Bausätze geben, welche man bestellen kann, so werde ich wohl wieder mit dabei sein. Wobei es selbstverständlich reizt, den Drucker in ähnlicher Form komplett von Grund auf zu bauen, ohne Bausatz.
Revision 1 | 2014-07-13 18:02:33
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